Ratgeber Mittelstand

KI-Kompetenz-Pflicht: Was die KI-Verordnung von Unternehmen verlangt

Seit Februar 2025 gilt Art. 4 der EU-KI-Verordnung, im Juli 2026 wurde er abgeschwächt. Was Unternehmen heute tatsächlich tun müssen – und warum die Warnung vor 35-Millionen-Bußgeldern Unsinn ist.

Sebastian Drawert2 Min. Lesezeit
Digitalisierung – Bildwelt

Kaum ein Thema wird gerade so laut beworben wie die „KI-Schulungspflicht". Hier ist, was tatsächlich gilt – nüchtern und ohne Angstmache. Stand: Oktober 2026. Das ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Was Artikel 4 regelt

Die europäische KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689) enthält in Artikel 4 eine Pflicht zur KI-Kompetenz. Sie gilt seit dem 2. Februar 2025 für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. „Betreiber" ist jedes Unternehmen, das KI im Beruf einsetzt – also auch der Handwerksbetrieb, dessen Büro mit einem KI-Assistenten arbeitet.

Mit dem sogenannten Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27. Juli 2026) wurde die Pflicht abgeschwächt, aber nicht abgeschafft: Gefordert sind Maßnahmen, die die Entwicklung der KI-Kompetenz unterstützen. Ein bestimmtes Kompetenzniveau jeder einzelnen Person muss nicht garantiert werden.

Gibt es Bußgelder?

Für Art. 4 selbst: nein. Die Bußgeldvorschriften der Verordnung (Art. 99) nennen ihn nicht. Die oft zitierten 35 Millionen Euro gelten für verbotene KI-Praktiken – nicht für fehlende Schulungen.

Folgenlos ist die Pflicht trotzdem nicht: Zuständige Aufsichtsbehörde in Deutschland ist die Bundesnetzagentur, und fehlende KI-Kompetenz kann als Verletzung der Sorgfaltspflicht gewertet werden – etwa wenn ein Mitarbeiter mit einem KI-Werkzeug Kundendaten preisgibt oder ein falsches Ergebnis ungeprüft weitergibt.

Was Unternehmen praktisch tun sollten

  1. Bestandsaufnahme: Wer nutzt welche KI-Werkzeuge wofür? Auch die „inoffiziellen" (ChatGPT im Browser).
  2. Regeln festlegen: Welche Daten dürfen hinein, welche nicht? Wer prüft Ergebnisse, bevor sie rausgehen?
  3. Rollenbezogen einweisen: Der Vertrieb braucht anderes Wissen als die Buchhaltung. Kurz und praktisch schlägt lang und theoretisch.
  4. Dokumentieren: Wer wurde wann wozu eingewiesen? Ein Zertifikat ist nicht vorgeschrieben, ein Nachweis hilft im Streitfall.
  5. Regelmäßig nachziehen: Neue Werkzeuge, neue Risiken.

Wie viel Aufwand ist das?

Für ein kleines Unternehmen mit wenigen KI-Werkzeugen: überschaubar. Eine klare Nutzungsregel auf einer Seite, eine kurze Einweisung je Rolle und eine Liste der eingesetzten Werkzeuge decken das Wesentliche ab. Wer KI tiefer einsetzt – etwa mit KI-Agenten, die selbst Aktionen auslösen –, sollte entsprechend gründlicher vorgehen.

Weiterbildung lässt sich unter Umständen fördern, etwa über das Qualifizierungschancengesetz der Agentur für Arbeit. Mehr zum Thema Förderung im Artikel Förderung in Brandenburg. Und wenn du gerade erst anfängst: KI im Unternehmen einführen – wo fange ich an?

Häufige Fragen

Muss ich meine Mitarbeiter in KI schulen?

Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, müssen nach Art. 4 der EU-KI-Verordnung Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden ergreifen. Seit Juli 2026 ist kein bestimmtes Kompetenzniveau mehr vorgeschrieben, aber passende Maßnahmen – etwa Regeln und rollenbezogene Einweisungen – sind weiterhin Pflicht.

Gibt es ein Bußgeld, wenn ich keine KI-Schulung mache?

Für Art. 4 selbst gibt es kein eigenes Bußgeld. Fehlende KI-Kompetenz kann aber als Sorgfaltspflichtverletzung gewertet werden, wenn dadurch ein Schaden entsteht. Die hohen Bußgelder der Verordnung betreffen andere Verstöße, etwa verbotene KI-Praktiken.

Brauche ich ein Zertifikat für die KI-Kompetenz?

Nein, ein Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Sinnvoll ist eine Dokumentation, wer wann wozu eingewiesen wurde.

Welche Behörde ist in Deutschland für die KI-Verordnung zuständig?

Zentrale Marktüberwachungsbehörde ist die Bundesnetzagentur, soweit nicht andere Fachbehörden zuständig sind.

Sebastian Drawert
Sebastian Drawert · Denker & Stratege

Über 20 Jahre Marketing und E-Commerce: Sony Europe (Club Vaio, Sony Style), Product Marketing für LUMIX bei Panasonic, General Manager Marketing bei Teufel/Raumfeld, Mitgründer von CUMO und DealBird. Seit 2024 baut er mit TeamMaid KI-Lösungen für den Mittelstand – von der Strategie bis zu eigenen Produkten wie LogBuster und Omnibooker.

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